Was genau ist Hobby Horsing? Handelt es sich um ein Kinderspiel oder um eine ernsthafte Sportart? Welche Regeln gelten bei Turnieren? Und wie können Anfänger mit dem Training beginnen?
Hobby Horsing ist eine Sportart, bei der Teilnehmer mit einem Steckenpferd verschiedene Elemente des Reitsports nachbilden. Sie absolvieren Dressuraufgaben, springen über Hindernisse oder treten in Westernprüfungen an. Dabei übernimmt der eigene Körper die Bewegungen des Pferdes.
Was auf den ersten Blick einfach aussieht, verlangt Kondition, Sprungkraft, Koordination und ein gutes Körpergefühl. In Deutschland gibt es inzwischen Vereine, einheitliche Regelwerke, Qualifikationsturniere, eine Deutsche Meisterschaft und sogar ein Nationalteam.
Hobby Horsing im Überblick
| Merkmal | Angabe |
| Bedeutung | Sport mit einem Steckenpferd |
| Herkunft | Finnland |
| Hauptdisziplinen | Dressur, Stilspringen und Zeitspringen |
| Weitere Bereiche | Western, Kür, Geschicklichkeit und Mannschaftswettbewerbe |
| Geeignet für | Kinder, Jugendliche und Erwachsene |
| Wichtige Fähigkeiten | Kondition, Koordination, Balance und Sprungkraft |
| Grundausrüstung | Hobby Horse, Sportschuhe und bequeme Kleidung |
| Trainingsort | Garten, Sportplatz, Halle oder Verein |
| Deutscher Verband | Deutscher Hobby Horsing Verband e. V. |
| Deutsche Meisterschaft | erstmals 2024, zweite Austragung 2026 |
| Olympische Sportart | Nein |
Was ist Hobby Horsing?
Beim Hobby Horsing halten die Sportler ein Steckenpferd zwischen den Beinen und ahmen Bewegungen aus dem Reitsport nach. Dabei laufen, traben und galoppieren sie selbst. In der Dressur führen sie festgelegte Figuren und Gangarten vor. Beim Springen überwinden sie einen Parcours aus mehreren Hindernissen.
Das Hobby Horse besteht normalerweise aus einem gepolsterten Pferdekopf und einem Stab. Viele Sportler gestalten ihre Pferde selbst, geben ihnen einen Namen und stellen passendes Zubehör wie Halfter, Trensen oder Fliegenohren her.
Trotz dieser kreativen Seite ist Hobby Horsing körperlich anspruchsvoll. Während der gesamten Prüfung müssen die Teilnehmer das Steckenpferd korrekt halten und gleichzeitig auf Haltung, Beinarbeit, Rhythmus und Streckenführung achten.
Woher kommt Hobby Horsing?
Der moderne Wettkampfsport entstand in Finnland. Dort begannen vor allem Kinder und Jugendliche, das Reiten mit selbst gebauten Steckenpferden systematisch nachzustellen. Über soziale Medien verbreiteten sich Videos von Dressurprüfungen, Sprüngen und Turnieren anschließend in zahlreiche weitere Länder.
Im Jahr 2016 wurde in Finnland der erste nationale Hobby-Horsing-Verband gegründet. Heute finden unter anderem in Deutschland, Schweden, Großbritannien, Tschechien und der Schweiz organisierte Veranstaltungen statt.
In Deutschland gewann der Sport besonders seit dem Ende der 2010er-Jahre an Bekanntheit. Ende 2023 wurde der Deutsche Hobby Horsing Verband gegründet. Die erste Deutsche Meisterschaft fand im September 2024 in Frankfurt-Kalbach statt. Rund 300 Starter waren dafür angekündigt. Die zweite Meisterschaft wurde am 2. und 3. Mai 2026 erneut in Frankfurt ausgetragen. Der Verband organisiert außerdem Turniere, erstellt Regelwerke und unterstützt Vereine beim Aufbau eigener Gruppen. Quelle: Deutscher Hobby Horsing Verband
Ist Hobby Horsing eine richtige Sportart?
Hobby Horsing besitzt wesentliche Merkmale einer organisierten Sportart. Es gibt Trainingseinheiten, Leistungsbewertungen, Richter, Altersklassen, Turnierregeln und nationale Meisterschaften. Die Sportler benötigen Ausdauer, Technik und regelmäßiges Training.
Allerdings ist Hobby Horsing keine olympische Disziplin. Die Begriffe „offizielle Sportart“ oder „anerkannte Sportart“ sollten daher nicht mit einer olympischen Anerkennung oder einer Mitgliedschaft im Deutschen Olympischen Sportbund gleichgesetzt werden.
Am besten lässt sich Hobby Horsing als organisierter Trend-, Freizeit- und Wettkampfsport beschreiben. Für die Aktiven selbst spielt diese Einordnung häufig nur eine geringe Rolle. Entscheidend sind Bewegung, Gemeinschaft, Kreativität und die Möglichkeit, sich sportlich zu verbessern.
Welche Hobby-Horsing-Disziplinen gibt es?
Dressur
Bei der Dressur führen die Teilnehmer eine vorgegebene Aufgabe in einem markierten Viereck vor. Bewertet werden unter anderem:
- Haltung und Körperspannung
- Rhythmus und Gleichmäßigkeit
- Ausführung der Gangarten
- Genauigkeit der Figuren
- Übergänge zwischen den Bewegungen
- Gesamteindruck der Vorstellung
Zu den typischen Figuren gehören Zirkel, Volten, Schlangenlinien, Wendungen und Handwechsel. Anspruchsvollere Aufgaben können Seitengänge, Pirouetten, Galoppwechsel oder eine individuell zusammengestellte Kür enthalten.
Die Bewegungen sollen kontrolliert und möglichst fließend aussehen. Dabei reicht es nicht, lediglich durch das Viereck zu laufen. Die Teilnehmer müssen gleichzeitig die Bewegung eines Pferdes darstellen und die vorgeschriebenen Linien einhalten.
Stilspringen
Beim Stilspringen kommt es auf eine technisch saubere Runde an. Die Richter achten beispielsweise auf den passenden Absprungpunkt, die Beintechnik, den Rhythmus und eine kontrollierte Landung.
Auch die Linien zwischen den Hindernissen spielen eine Rolle. Ein schneller Lauf führt deshalb nicht automatisch zu einer guten Bewertung. Fehler, ausgelassene Hindernisse oder heruntergeworfene Stangen können das Ergebnis verschlechtern.
Zeitspringen
Beim Zeitspringen müssen die Teilnehmer den Parcours möglichst schnell und fehlerfrei bewältigen. Entscheidend sind die benötigte Zeit und mögliche Strafpunkte.
Die Sportler müssen Geschwindigkeit und Kontrolle miteinander verbinden. Wer zu schnell in eine Kurve läuft, kann den richtigen Absprungpunkt verpassen oder ein Hindernis umwerfen.
Bei den Qualifikationswettbewerben zur Deutschen Meisterschaft 2026 wurden die Springparcours laut Verband auf Flächen von 8 mal 16 Metern durchgeführt. Im Zeitspringen erfolgte die Wertung nach Fehlern und Zeit. Qualifikationsregeln des DtHHV
Western
Im Western Hobby Horsing werden Disziplinen aus dem Westernreiten nachgestellt. Dazu können Trail-Aufgaben, Pattern und andere Geschicklichkeitsprüfungen gehören. Präzision, ruhige Übergänge und die korrekte Bewältigung verschiedener Aufgaben stehen im Mittelpunkt.
Der Deutsche Hobby Horsing Verband besitzt inzwischen ein eigenes Westernregelwerk. Darin werden Wettbewerbe, Ausrüstung und Bewertung genauer beschrieben. Hobby-Horsing-Regelwerke
Welche Regeln gelten beim Hobby Horsing?
Die genauen Regeln unterscheiden sich nach Disziplin, Altersklasse und Veranstalter. Bei offiziellen deutschen Turnieren bildet das Regelwerk des Deutschen Hobby Horsing Verbandes eine wichtige Grundlage.
Grundsätzlich gelten folgende Regeln:
- Das Hobby Horse muss während der Prüfung korrekt zwischen den Beinen gehalten werden.
- Der vorgeschriebene Parcours oder die Dressuraufgabe muss vollständig absolviert werden.
- Hindernisse müssen in der richtigen Reihenfolge überwunden werden.
- Dressurfiguren sollen an den vorgesehenen Punkten beginnen und enden.
- Ausgelassene Aufgaben und Fehler können zu Punktabzügen oder zum Ausschluss führen.
- Die Teilnehmer müssen die Sicherheits- und Ausrüstungsvorgaben des Veranstalters beachten.
- Respektloses oder unsportliches Verhalten kann geahndet werden.
Für die Deutsche Meisterschaft 2026 wurden Dressurvorstellungen von zwei getrennt sitzenden Richtern bewertet. Anschließend bildete man aus beiden Ergebnissen eine Durchschnittsnote. In der Altersklasse U12 durfte die Aufgabe vorgelesen werden, während ältere Teilnehmer sie auswendig absolvieren mussten.
Da sich Regelwerke ändern können, sollten Teilnehmer vor jedem Turnier die aktuelle Ausschreibung lesen.
Welche Ausrüstung wird benötigt?
Für den Einstieg ist keine umfangreiche Ausstattung notwendig. Anfänger brauchen vor allem:
- ein ausreichend leichtes Hobby Horse
- feste Sportschuhe mit gutem Halt
- bequeme Sportkleidung
- mehrere sichere Hindernisse
- eine ebene und rutschfeste Trainingsfläche
- bei Bedarf Handschuhe oder Knieschoner
Ein Hobby Horse kann gekauft oder selbst hergestellt werden. Günstige Modelle kosten häufig ungefähr 20 bis 50 Euro. Aufwendig gearbeitete oder individuell angefertigte Steckenpferde können deutlich mehr als 100 Euro kosten.
Zusätzlich gibt es Halfter, Trensen, Decken, Fliegenohren und anderes Zubehör. Für das eigentliche Training sind diese Extras jedoch nicht notwendig.
Selbst gebaute Hindernisse sollten stabil stehen, aber bei einer Berührung leicht nachgeben. Feste Metallstangen, scharfe Kanten oder schwere Gegenstände erhöhen das Verletzungsrisiko.
Hobby Horsing lernen: Übungen für Anfänger
Einsteiger sollten nicht sofort mit hohen Hindernissen beginnen. Zunächst geht es darum, das Hobby Horse sicher zu halten und die grundlegenden Bewegungen zu kontrollieren.
1. Gangarten üben
Zu Beginn können Schritt, Trab und Galopp auf einer geraden Strecke geübt werden. Die Bewegungen sollten einen klar erkennbaren Rhythmus haben.
2. Linien und Wendungen trainieren
Markierungen auf dem Boden helfen dabei, Zirkel, Schlangenlinien und Handwechsel sauber auszuführen. Dadurch verbessern sich Orientierung und Gleichgewicht.
3. Kleine Hindernisse überspringen
Für die ersten Sprünge reichen niedrige Stangen oder weiche Schaumstoffhindernisse. Wichtig sind ein kontrollierter Anlauf, der Absprung mit beiden Beinen und eine sichere Landung.
4. Einen einfachen Parcours aufbauen
Nach den ersten Übungen können mehrere Hindernisse miteinander verbunden werden. Große Abstände und weite Kurven erleichtern den Einstieg.
5. Kraft und Kondition verbessern
Kniebeugen, kurze Läufe, Seilspringen und Gleichgewichtsübungen können das Hobby-Horsing-Training ergänzen. Regelmäßige Pausen bleiben trotzdem wichtig.
Welche Vorteile bietet Hobby Horsing?
Hobby Horsing verbindet sportliche und kreative Elemente. Regelmäßiges Training kann verschiedene Fähigkeiten fördern:
- Ausdauer und allgemeine Fitness
- Sprungkraft und Beinmuskulatur
- Koordination und Körperkontrolle
- Balance und räumliche Orientierung
- Konzentration und Merkfähigkeit
- Kreativität beim Gestalten der Hobby Horses
- Selbstvertrauen bei Auftritten und Turnieren
- soziale Kontakte in Gruppen und Vereinen
Zudem ist der Einstieg meistens deutlich günstiger als beim Reiten mit einem lebenden Pferd. Stallmiete, Futter, Tierarzt und Reitbeteiligung fallen nicht an. Hobby Horsing ist jedoch kein vollständiger Ersatz für Reitunterricht, weil der Umgang mit einem Pferd andere Kenntnisse und Fähigkeiten erfordert.
Verletzungsrisiken und sicheres Training
Wie bei anderen Lauf- und Sprungsportarten können auch beim Hobby Horsing Verletzungen auftreten. Besonders belastet werden Knie, Knöchel und Füße. Stürze, falsche Landungen oder zu hohe Hindernisse können zu Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen führen.
Für ein sicheres Training sollten Sportler:
- sich vor dem Training aufwärmen
- passende Sportschuhe tragen
- auf einem ebenen Untergrund trainieren
- die Hindernishöhe langsam steigern
- genügend Abstand zwischen den Sprüngen lassen
- bei Schmerzen das Training unterbrechen
- nicht auf Asphalt oder rutschigem Boden springen
- Sprungstangen verwenden, die leicht herunterfallen können
Kinder sollten hohe Sprünge nur unter Aufsicht und mit einer bereits gefestigten Technik ausprobieren. Bei anhaltenden Schmerzen oder einer akuten Verletzung ist eine medizinische Untersuchung sinnvoll.
Hobby-Horsing-Turniere in Deutschland
Inzwischen veranstalten Vereine und private Gruppen in vielen Bundesländern eigene Wettbewerbe. Neben offenen Einsteigerklassen gibt es leistungsorientierte Prüfungen und Qualifikationsturniere.
Für die Deutsche Meisterschaft 2026 mussten sich Teilnehmer in mehreren Disziplinen über ausgewählte Turniere qualifizieren. In Dressur und Stilspringen erhielten die besten Platzierungen Punkte. Im Zeitspringen zählten Fehler und Gesamtzeit.
Auch international entwickelt sich der Sport weiter. Am 6. Juni 2026 fand in Prag die erste Hobby-Horsing-Europameisterschaft statt. Deutschland stellte dafür ein Nationalteam mit 21 Sportlern in den Altersklassen U12 bis U31 zusammen. Deutsches Hobby-Horsing-Nationalteam
Hobby Horsing im Verein oder zu Hause?
Für die ersten Versuche reichen ein Garten, ein Sportplatz oder ein ausreichend großer Raum. Kostenlose Videos und einfache Trainingspläne können den Einstieg erleichtern.
Ein Verein bietet jedoch mehrere Vorteile. Trainer können Fehler bei der Haltung, beim Absprung und bei der Landung erkennen. Außerdem stehen häufig sichere Hindernisse und geeignete Hallen zur Verfügung. Das gemeinsame Training bereitet zusätzlich auf Turniere vor.
Interessierte können über den Turnierkalender des Deutschen Hobby Horsing Verbandes, lokale Sportvereine und soziale Medien nach Gruppen in ihrer Region suchen.
Kritik und Vorurteile
Hobby Horsing wird in sozialen Netzwerken regelmäßig verspottet. Kritiker betrachten die Bewegungen mit dem Steckenpferd als kindisch oder bezweifeln den sportlichen Wert.
Dabei wird häufig übersehen, dass sich Spiel, Fantasie und sportliche Leistung nicht ausschließen. Auch andere Sportarten enthalten Bewegungen, Rollen oder Geräte, die außerhalb ihres jeweiligen Zusammenhangs ungewöhnlich wirken können.
Eine anspruchsvolle Dressurvorstellung oder ein hoher Sprungparcours erfordert Training, Mut und Körperkontrolle. Niemand muss Hobby Horsing selbst betreiben. Teilnehmer sollten jedoch genauso respektvoll behandelt werden wie Menschen mit anderen Freizeitinteressen.
Fazit
Hobby Horsing hat sich vom kreativen Freizeitvergnügen zu einem organisierten Wettkampfsport entwickelt. Dressur, Stilspringen und Zeitspringen verlangen Kondition, Koordination, Sprungkraft und Konzentration. Gleichzeitig bietet das Gestalten eigener Steckenpferde viel Raum für Fantasie.
Der Einstieg ist vergleichsweise einfach und günstig. Ein Hobby Horse, Sportkleidung und sichere Hindernisse reichen für die ersten Übungen aus. Wer systematisch trainieren oder an Turnieren teilnehmen möchte, findet inzwischen Vereine, verbindliche Regelwerke und Wettbewerbe in vielen Regionen Deutschlands.
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Häufige Fragen zu Hobby Horsing
Der englische Begriff „Hobby Horse“ bedeutet Steckenpferd. Hobby Horsing bezeichnet den Sport, bei dem Teilnehmer mit einem Steckenpferd Dressur-, Spring- oder Westernaufgaben ausführen.
Nein. Der Sport ist besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebt, kann aber grundsätzlich auch von Erwachsenen betrieben werden. Bei deutschen Wettbewerben gibt es unterschiedliche Altersklassen.
Nein. Hobby Horsing gehört nicht zum Programm der Olympischen Spiele. Es gibt jedoch nationale Meisterschaften, internationale Turniere und seit 2026 auch eine Europameisterschaft.
Die Höhe hängt von Alter, Leistungsstand und Wettbewerb ab. Anfänger starten mit sehr niedrigen Hindernissen. Leistungsstarke Teilnehmer können Höhen von mehr als einem Meter bewältigen. Solche Sprünge erfordern jedoch viel Erfahrung und sollten nicht ohne Vorbereitung versucht werden.
Einfache Modelle sind teilweise ab etwa 20 bis 50 Euro erhältlich. Handgefertigte und individuell gestaltete Hobby Horses können 100 Euro oder deutlich mehr kosten. Zubehör ist optional.
Ja. Viele Teilnehmer nähen den Pferdekopf selbst und befestigen ihn an einem passenden Stab. Dabei müssen alle Teile sicher verarbeitet sein. Scharfe Kanten, lose Verbindungen und zu schwere Materialien sollten vermieden werden.
Hobby Horsing lässt sich zu Hause, in Kursen oder in einem Sportverein lernen. Vereine bieten den Vorteil, dass Trainer die Technik kontrollieren und geeignete Trainingsflächen bereitstellen können.
Ja. Besonders längere Dressurprüfungen und Springparcours beanspruchen Beine, Rumpf und Kreislauf. Die Belastung lässt sich durch Hindernishöhe, Geschwindigkeit und Trainingsdauer an den persönlichen Leistungsstand anpassen.
